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Stand: 13.11.2018

Pressemitteilung

Augenmaß nicht verlieren

Dortmund/München. Die momentane Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts, ausgelöst durch mehrere Vorfälle in den letzten Tagen, halten der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und der Katholische Verband für soziale Dienste in Deutschland (SKM), in der augenblicklich aufgeheizten Form für eine populistische Scheindebatte.

Selbstverständlich ist dem Schutzbedürfnis der Allgemeinheit vor solchen
Übergriffen Rechnung zu tragen, aber auf die Umgangsweise mit den Ursachen und dem daraus folgenden Handeln kommt es an.

Die Rückfallquote jugendlicher haftentlassener Straftäter zeigt, dass der Jugendstrafvollzug allein nicht das geeignete Mittel ist, insbesondere Jugendliche, die mit massiven Straftaten auffällig geworden sind, auf den richtigen Weg zu bringen.

Jugendliche brauchen Perspektiven und Unterstützung, aber auch klare Grenzen. Spezifische Integrationsprobleme von Jugendlichen mit Migrationshintergrund lassen sich mit einem verschärften Jugendstrafrecht nicht lösen.

SkF und SKM fordern vielmehr gezielte Maßnahmen im Bereich der Prävention, die früh ansetzen. Dazu gehören zum einen intensive und nachhaltige Begleitung durch Fachkräfte in der Jugendhilfe und zum anderen vor allem bessere Bildungschancen, die die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen im Hinblick auf ihre Wertigkeit aufbrechen.

Die beiden Verbände halten bereits jetzt entsprechende pädagogische Angebote vor.
Mit dem Projekt „ Michel“, soll das Ziel verfolgt werden den Jugendlichen bereits im Vorfeld die Konsequenzen ihres strafbaren Handelns aufzuzeigen und erlebbar zu machen, um eine Verfestigung von unerwünschtem Handeln zu verhindern. Der sogenannte „Täter-Opfer- Ausgleich“, nach Straftaten dient dazu, mit intensiver Begleitung von Fachkräften, dem Täter die Sichtweise des Opfers nahe zu bringen und Wiedergutmachungsmöglichkeiten auszuloten. Damit können Chancen zur Resozialisierung eröffnet werden.

Das konsequente Zusammenwirken von Maßnahmen nach dem Jugendstrafrecht und der Erziehungshilfe erscheint daher als ein probates Mittel des gezielten Entgegenwirkens auch in schwierigen Fällen zu sein.
Deshalb fordern die Verbände ergänzend sogenannte interdisziplinäre „Clearingstellen“, die erzieherische Maßnahmen planen, begleiten und durchführen.
Die Politik ist gefordert für solche Maßnahmen ausreichende Mittel inklusiv für Modellprojekte zur Verfügung zu stellen, anstatt, dass wie in den letzten Jahren geschehen, besonders im Bereich der Jugendhilfe drastisch gekürzt wird.
SkF und SKM begrüßen die aktuelle Debatte um das uns seit langem bekannte Problem, sehen aber übereilte Maßnahmen, die zeigen sollen „wo der Hammer hängt“, nicht als zielführend an.

Gemeinsame Stellungnahme
Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Bundeszentrale, Dortmund,
Landesstelle Bayern, München und
Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland (SKM), Köln