URL: www.skfbayern.de/presse-aktuelles/presse/gewalt-ein-phaenomen-unserer-zeit--vom-12.05.2003-14.05.2003-in-aschaffenburg-83723045-79e3-44b6-a85
Stand: 13.11.2018

Pressemitteilung

"Gewalt - ein Phänomen unserer Zeit ?" vom 12.05.2003 - 14.05.2003 in Aschaffenburg

Presseerklärung zur Landestagung vom 12.5.2003 - 14.5.2003

Der SkF in Bayern beschäftigte sich anläßlich seiner Landestagung zum Thema "Gewalt - ein Phänomen unserer Zeit !?" mit den vielfältigen Formen und Auswirkungen von Gewalt, die sich zunehmend zu einer gesamtgesellschaftlichen Bedrohung entwickeln. In der täglichen Arbeit seiner Ortsvereine berät und begleitet der SkF seit mehr als 100 Jahren Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien, die durch die Bedrohung oder Anwendung von Gewalt tiefe physische und psychische Verletzungen erlitten haben.

Aufgrund seiner Erfahrungen hat der SkF die Veröffentlichung des Aktionsplans zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen im Jahr 1999 und das Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes zum 1. 1.2002, das die Wegweisung des Täters und die erleichterte Zuweisung der gemeinsamen Wohnung an die von häuslicher Gewalt betroffene Frau und ihre Kinder gesetzlich regelt, begrüßt. Allerdings zeichnet sich bisher die erwartete Deeskalation von Gewaltsituationen nicht ab. Insofern setzt der SkF Hoffnungen auf die sechs in Bayern geplanten Interventionsstellen, die ab September 2003 der Krisenintervention sowie der längerfristigen Begleitung der betroffenen Frauen und ihrer Kinder dienen sollen.

Trotz des Gewaltschutzgesetzes verzeichnen die Frauenhäuser eine steigende Nachfrage.
In diesem Zusammenhang fordert der SkF die bessere finanzielle Sicherung der Arbeit mit den Kindern im Frauenhaus. Sind nämlich Mütter der Gewalt durch den Partner ausgesetzt, so sind in etwa 90% der Fälle Kinder Zeugen und oft selber Opfer von Gewalthandlungen und bedürfen im Frauenhaus entsprechender Betreuung.

Im Hinblick auf den Kinder- und Jugendschutz hat der SkF in Bayern die gesetzliche Änderung des § 1631 BGB, der Kindern das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung zuerkennt, zum Anlaß genommen, in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund das Konzept "Starke Eltern - Starke Kinder®" mit einer Reihe bayerischer Ortsvereine umzusetzen, durch das Eltern in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden sollen.

Dem sexuellen Mißbrauch von Kindern, mit dem der SkF in seiner Arbeit immer häufiger konfrontiert ist, muß von politischer, aber auch kirchlicher Seite offensiver begegnet werden. Traumatische Erfahrungen von sexuellem Mißbrauch begleiten die kindlichen Opfer oft durch ihr ganzes Leben. Deshalb hat der Skf die präventive Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe deutlich verstärkt und die Zusammenarbeit mit anderen in diesem Bereich arbeitenden Organisationen ausgebaut. Im Hinblick auf die oft jahrelange Prozessdauer in solchen Fällen fordert der SkF die politisch Verantwortlichen auf, eine gesetzliche Regelung dahingehend zu schaffen, daß bei Mißbrauchstaten Verfahrenspfleger früher als bisher eingeschaltet werden und die entsprechenden Prozesse im zeitlichen Rahmen zum Geschehen stattfinden.

Mit dem Thema Gewalt ist der SkF auch durch den zunehmenden Frauenhandel in Bayern konfrontiert, bei dem Menschenhändler Frauen, die aus Not und Perspektivelosigkeit ihre osteuropäischen Heimatländer verlassen wollen, mit dem Versprechen eines legalen Arbeitsplatzes in die Prostitution zwingen. Um diesem Problem zu begegnen, war der SkF im Februar 2000 an der Gründung des "Aktionsbündnisses gegen Frauenhandel" beteiligt. Im Hinblick auf die oftmals menschenverachtende Behandlung der Frauen erwartet der SkF aber auch von staatlicher Seite eine größere Solidarität mit den Opfern. So ist bisher die finanzielle Unterstützung für die in diesem Zusammenhang geschaffenen Hilfsprojekte nicht nachhaltig gesichert. Der SkF hält es für unannehmbar, daß sich der Menschenhandel durch politisches Zögern weltweit zu einem multinationalen Wirtschaftsmarkt entwickeln konnte.

Als Frauen- und Fachverband in der Kirche appelliert der SkF an die in Staat und Kirche Verantwortlichen, jeder Art von Gewalt, insbesondere auch den gewaltverherrlichenden Darstellungen von Gewalt in den Medien, stärker als bisher entgegenzutreten. Seinerseits wird der SkF auch in Zukunft durch seine Tätigkeit dazu beitragen, der Gewalt als Mittel der Konfliktlösung Alternativen entgegenzusetzen.

Schmerlenbach, den 14. Mai 2003 Margarete Richardi
Vorsitzende