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Stand: 13.11.2018

Pressemitteilung

Junge Volljährige ins Blickfeld rücken

Fachtag zur Position junger Erwachsener in der Jugendhilfe benennt Handlungsbedarf

  „Mit 17 schon zu alt?“ Mit dieser provokanten Frage war die Fachtagung überschrieben, die der Sozialdienst katholischer Frauen Landesverband Bayern und die Landesarbeitsgemeinschaft katholische Jugendsozialarbeit in Bayern in München veranstalteten.

„Die erfreuliche Resonanz auf diese Tagung zeigt uns, dass unser Thema brisant ist“, meinten erfreut Doris Hallermayer, Vorstandsmitglied, und Beate Frank, Jugendhilfe-Referentin beim SkF-Landesverband, über die Zahl der Teilnehmenden aus ganz Bayern. Sie wurden in dieser Annahme bestätigt von den hochkarätigen Referentinnen und Referenten des Tages.

Stefanie Krüger, die Leiterin des bayerischen Landesjugendamtes, betonte in ihrem Beitrag, dass Erwachsenwerden nicht mit dem 18. Geburtstag passiere: „Gerade hoch belastete junge Menschen, die nicht auf die Unterstützung ihrer Eltern zurückgreifen können, brauchen die verlässliche Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe.“ Sie zeigte auf, dass Hilfen für junge Volljährige nicht der Grund für Ausgabensteigerungen im Jugendhilfe-Etat der Kommunen, wohl aber ein unverzichtbarer Baustein im Gesamtgefüge der Jugendhilfe seien: „An dieser Stelle zu sparen hieße, die hohen Investitionen der Kommunen in die frühen Lebensjahre eines Kindes kurz vor dem Ziel in den Wind zu schießen.“

Unterstützt wurde Krüger in ihren Ausführungen von Prof. Dr. Reinhard Wiesner, einem der „Väter“ des deutschen Jugendhilferechts. Wiesner stellte ebenfalls die Hilfe für junge Volljährige als Voraussetzung für gesellschaftliche Integration und Investition in die Zukunft dar; er forderte eine bessere Kooperation der verschiedenen Hilfesysteme und wertschätzende anwaltschaftliche Unterstützung der jungen Menschen mit Hilfebedarf.

  „Experimentieren“, so Dr. Thomas Steinforth vom Caritasverband der Erzdiözese München und Freising, „ist elementarer Bestandteil der Lebensphase Jugend. Es muss für alle jungen Menschen möglich sein und dient nicht nur als Mittel zu einem späteren Zweck.“

Diese parteiliche Sichtweise wurde ergänzt von Pater Franz-Ulrich Otto, Provinzialvikar der Salesianer Don Boscos : „Wir müssen jedem jungen Menschen seine unverletzliche Würde geben.“

Auch wenn Dr. Klaus Schulenburg vom Bayerischen Landkreistag die realen finanziellen Nöte der Kommunen und den damit verbundenen schwierigen Zwang, Prioritäten zu setzen, deutlich benannte – abschließend waren sich alle Diskutanten einig: Es braucht, wie es Prof. Wiesner formulierte, Bündnisse, um dem öffentlichen, oft verzerrten Bild von Jugendlichen entgegen zu wirken. Und es sei ein höheres Bewusstsein dafür nötig, dass auch junge Erwachsene Anspruch auf altersgemäße Unterstützung im Rahmen der Jugendhilfe haben. Frank: „Ich bin froh, dass wir dieses Anliegen mit unserer Tagung neu und ganz deutlich in den Blick der Fach-Öffentlichkeit rücken konnten. Wir dürfen keinen jungen Menschen verloren geben, nur weil er schon volljährig ist.“

Kontakt:  
Michael Kroll, Geschäftsführer der LAG KJS Bayern, 089 54497-140, michael.kroll@caritas-bayern.de
Beate Frank, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe beim SkF -Landesverband Bayern, 089 538860-17, frank@skfbayern.de

München, 20. Juli 2011