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Stand: 13.11.2018

Pressemitteilung

Kooperation des SkF und DKSB beim Projekt "Starke Eltern - Starke Kinder"

Als Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen, Landesstelle Bayern, freue ich mich über das Engagement, das den SkF und den DKSB im Sinne der Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern in Bayern verbindet und dass die Kurse nach dem Konzept „Starke Eltern – Starke Kinder“ von den Eltern gut angenommen werden. Dadurch leisten wir gemeinsam einen wichtigen Beitrag dazu, dass der Erziehungsalltag besser gelingt. Ich freue mich aber auch, dass sich über das gemeinsame Engagement von Kinderschutzbund und SkF für Kinder und deren Eltern eine Kooperation beider Verbände entwickelt hat.
Kinderschutzbund und Sozialdienst katholischer Frauen haben damit in mehrerer Hinsicht Neuland betreten. So ist es gelungen

1.       zwei Landesverbände, die bis dato wenig miteinander zu tun hatten, mit einander in Kontakt zu bringen

2.       die Professionalität und die Netzwerke beider Verbände zum Nutzen der Eltern zu verbinden

3.       Eltern das Angebot der Elternkurse Bayern weit anzubieten und

4.       Kooperationsstrukturen zu entwickeln, die es ermöglichen, Erfahrungen aus den Elternkursen für die Weiterentwicklung des Konzepts zu nutzen

Was war der Anlass für diese Kooperation?

Zu einer Kontaktaufnahme   kam es, als im Jahr 2000 das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung gesetzlich verankert wurde und das Thema damit starke öffentliche Beachtung fand. Von politischer Seite wurde der Einsatz der Verbände durch zwei Initiativen unterstützt. Der Bayerische Landtag stellte für 2001 einmalig eine Summe von 2 Millionen DM zur Förderung der Familienbildung zur Verfügung und die Bayerische Staatsregierung rief die Stiftung „Bündnis für Kinder – gegen Gewalt“ ins Leben .
Auf dem Fachkongress „Gemeinsame Wege aus der Gewalt“, den der DKSB Landesverband Bayern im Februar 2000 veranstaltete, wurde auch das Konzept der Elternschulung vorgestellt. Der SkF ging daraufhin auf den DKSB zu, weil er die Elternschulung als mögliche gewinnbringende Ergänzung für das eigene Angebots­profil in der Kinder- und Jugendhilfe erkannte. Dieses Anliegen wurde vom DKSB offen aufgenommen. Innerhalb der zurückliegenden zwei Jahre hat die Kooperation Gestalt angenommen. Sie ist durch Standards abgesichert und auf vielen Ebenen lebendig.
Kooperation braucht als Fundament sowohl die Klarheit der gemeinsamen Handlungsfelder als auch eine Haltung der kooperierenden Personen. Diese kennzeichnet Akzeptanz, Partnerschaft sowie eine Balance im Geben und Nehmen.
Das bedeutet: beide Landesverbände akzeptieren das Profil und die Professionalität des jeweils anderen Verbandes. Sie gehen partnerschaftlich, d.h. respektvoll und gleichberechtigt mit einander um. So ist es für uns selbstverständlich, dass der SkF es im Hinblick auf das Gleichgewicht von Geben und Nehmen als wichtig ansieht, sich neben dem Einbringen der eigenen Fachlichkeit auch finanziell an der Stelle der Fachberaterin für den Bereich Elternschulung beim DKSB zu beteiligen.

Warum beteiligt sich der SkF an dem Konzept „Starke Eltern – Starke Kinder“?

In der täglichen Arbeit seiner Ortsvereine berät und begleitet der SkF als Frauen- und Fachverband seit mehr als 100 Jahren Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien. Dabei liegt sein besonderer Schwerpunkt auf der Wahrnehmung von Not- und Konfliktsituationen von Frauen. In den unterschiedlichen Feldern der sozialen Arbeit, insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SkF in Kontakt mit Familien, die Hilfe benötigen und diese auch suchen.

Bei fast allen Eltern stellen sie Verhaltensverunsicherung und das subjektive Gefühl der Belastung fest. Was will ich, was kann ich als Mutter oder Vater, wie sieht die Zukunft aus und kann ich diese denn überhaupt allein bestehen? Dies sind Fragen, die den familiären Alltag bestimmen und die Erziehung erschweren. Die Verunsicherung verstärkt sich dann, wenn das eigene Leben durch Armut, drohende Arbeitslosigkeit oder eigene Gewalterfahrung belastet ist. Viele der vom SkF erreichten Menschen haben durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt tiefe physische und psychische Verletzungen erlitten. In der Kindheit gemachte Gewalterfahrungen verstärken die eigene Gewaltbereitschaft – und so schließt sich der Kreis. Diesen Kreislauf möchte der SkF wirkungsvoll durchbrechen und mit dazu beitragen, dass Kinder gewaltfrei aufwachsen.

Genau hier setzt das Konzept „Starke Eltern – Starke Kinder“ an: Eltern erhalten in den Kursen die Möglichkeit, sich mit ihren Unsicherheiten auseinander zu setzen. Sie stellen fest, dass sie damit nicht alleine sind und sie finden neue eigene Sicherheiten und Stärken. Dies ist umso wichtiger, als damit ein positives Klima in den Erziehungsalltag hineingetragen wird. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner, dem Deutschen Kinderschutzbund Bayern, wollen wir diese positive Arbeit weiterführen.

Gleichzeitig ist uns durch unseren Kontakt zu besonders belasteten Eltern und Familien bewusst, dass wir weiterhin noch andere Wege zur Stärkung von Eltern gehen müssen. Die Verantwortung für und der Blick auf das Kindeswohl entlassen uns nicht aus der Verantwortung, auch dort präsent zu sein, wo eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegt und präventive Maßnahmen nicht mehr greifen. Bei allen Bemühungen um die Stärkung elterlicher Erziehungskompetenz müssen wir offen bleiben für die Schutzbedürftigkeit von traumatisierten Kindern, deren Verbleib bei ihren zum großen Teil selbst traumatisierten Eltern eine Schädigung ihres Wohls bedeuten würde.
Gemeinsam mit den staatlichen Entscheidungsträgern bleibt es Aufgabe des Sozialdienst katholischer Frauen in Bayern in Kooperation mit anderen sozialen Verbänden durch Prävention Fehlentwicklungen vorzubeugen und bei bereits sichtbaren Fehlentwicklungen wirksame Hilfen bereitzustellen.

München, den 11. Februar 2004

Margarete Richardi
Vorsitzende