URL: www.skfbayern.de/presse-aktuelles/presse/praesentation-des-projekts-michel-e7f4cf26-f021-4220-b690-f222a288d7c3
Stand: 13.11.2018

Pressemitteilung

Präsentation des Projekts "Michel"

Pressekonferenz zum Projekt "Michel" am 22. Juli 2003

Während die Zahl der Gewalttaten bei Erwachsenen nach der neuesten Statistik leicht rückläufig ist, haben Gewalthandlungen von Kindern und Jugendlichen zugenommen. Im Arbeitsfeld Kinder- und Jugendhilfe unserer bayerischen Ortsvereine gilt die Beratung und Hilfe diesen jugendlichen Straftätern und ihren Familien. Der Sozialdienst katholischer Frauen in Bayern hält aber zusätzliche Angebote im Bereich der Prävention für dringend erforderlich.

Für das Projekt "Michel" stand Astrid Lindgrens Held "Michel" Pate. Als ihn nämlich seine Schwester, Klein-Ida, fragte, wie denn das mit dem Unfug ginge, meinte er, das wisse er nicht, das käme ganz von alleine und merken tue er es erst dann, wenn sein Vater "Michel!!!!" rufen würde.

Die Erfahrungen in unserer Arbeit zeigen, daß die meisten Kinder und Jugendlichen sich tatsächlich zu wenige oder gar keine Gedanken über die eventuellen Konsequenzen ihres delinquenten Tuns machen. Deshalb wurde das Präventionsprojekt "Michel" entwickelt, das Kindern und Jugendlichen die Folgen strafbaren Handelns vor Augen führen soll.

Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche an der Schwelle der Strafmündigkeit bzw. junge Strafmündige, also im Alter zwischen 13 - 15 Jahren. Das Projekt konzentriert sich zunächst auf Schüler der Hauptschule. Es kann aber ebenso bei jeder anderen Schulart umgesetzt werden. Es empfiehlt sich bei der Durchführung des Projekts, auf die Homogenität des Bildungsgrades in der Gruppe zu achten, da mit einem starken Bildungsgefälle häufig auch ein Artikulationsgefälle verbunden ist. Die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollte möglichst auf eine Schulart beschränkt werden.

Das vorrangige Ziel des Projekts "Michel" ist es, den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen nicht nur die Konsequenzen delinquenten Handelns aufzuzeigen, sondern sie diese auch Schritt für Schritt erleben zu lassen. Voraussetzung für die Durchführung des Projekts ist daher die Zusammenarbeit des SkF mit den bei Jugenddeliquenz involvierten Einrichtungen und Organisationen vor Ort. Dazu gehören die Schulsozialarbeit, die Jugendgerichtshilfe, die Vertretung des Jugendgerichts, also Richter, Staatsanwälte und Verteidiger, die Bewährungshilfe, die Vertretung der Betreuungsweisungen und des Jugendgefängnisses. Eine Gruppe Jugendlicher setzt sich, indem sie nacheinander die genannten Institutionen und Organisationen aufsucht und kennenlernt, aktiv damit auseinander, was sie im Falle einer strafbaren Handlung erwartet. Neben der fiktiven Gerichtsverhandlung, in der die Jugendlichen in verschiedenen Rollen mitwirken, gehören der etwa zweistündige Aufenthalt in der Jugendstrafvollzugsanstalt und die Gespräche mit den dort Inhaftierten zu den nachhaltigsten und berührendsten Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Jugendlichen erfahren aber im Rahmen des Projekts nicht nur, dass die mitwirkenden Einrichtungen und Organisationen für Sanktionen zuständig sind, sondern daß es entsprechend dem Erziehungsauftrag des Jugendstrafrechts, auch deren Aufgaben ist, Jugendliche bei der oft schwierigen Bewältigung der Pubertät und den damit verbundenen Problemen zu unterstützen.

Das Projekt "Michel" ist eine zeitlich begrenzte, aus verschiedenen Modulen bestehende in sich geschlossene und fast kostenneutrale Maßnahme, die immer wieder mit einem neuen Teilnehmerkreis durchgeführt werden kann. Dabei richtet sich die Anzahl der bis zu sieben Module danach, wie viele und welche Einrichtungen vor Ort am Projekt beteiligt sind. Neben der Verwendung im schulischen Bereich kann "Michel" auch im Rahmen von Projekttagen in der außerschulischen Jugendarbeit umgesetzt werden.

Über das Modul "Jugendgerichtsverhandlung" wurde ein ca. 45 minütiges Video erstellt. Darin wird fernab von sensationsheischenden Fernsehproduktionen eine fiktive Gerichts-verhandlung mit echten Vertretern der Anklage, der Verteidung sowie der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe anschaulich und realitätsnah dargestellt.

Mit seinem Präventionsprojekt "Michel" reagiert der Sozialdienst katholischer Frauen in Bayern wie in seinen anderen Arbeitsfeldern zeitgemäß auf gesellschaftliche Defizite und Problemlagen. Die Möglichkeit der Vernetzung ist hierfür eine wichtige Voraussetzung und die Kostengünstigkeit angesichts der derzeitigen finanziellen Engpässe bei der Vergabe von Mitteln von großem Vorteil für die Durchführung des Projekts "Michel".

München, den 22. Juli 2003 Margarete Richardi
Vorsitzende


PS.Der Videofilm über die Jugendgerichtsverhandlung kann beim Sozialdienst katholischer Frauen, Landesstelle Bayern e.V. zum Selbstkostenpreis von ca. 10,-€ erworben werden.

Bei Rückfragen sowohl zum Projekt wie auch zum Film wenden Sie sich bitte an den Sozialdienst katholischer Frauen, Landesstelle Bayern, Referentin Lydia Halbhuber-Gassner: 089/538860 -16 (-0).

Pressekonferenz am 22. Juli 2003