Die
Landesstelle Bayern des Sozialdienstes katholischer Frauen kann in diesem Jahr
auf ihr sechzigjähriges Bestehen zurückblicken.
Bereits an der Wende zum 20.
Jahrhundert gründete Agnes Neuhaus den Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen
und Frauen, den heutigen SkF in Dortmund, weil sie sah, dass
es
Notlagen von Frauen gibt, in denen die Hilfe
anderer Frauen unverzichtbar ist. „Es gibt keine hoffnungslosen Fälle" war
der Maßstab ihres Handelns, dem sich auch die Landesstelle Bayern und ihre
bayerischen Ortsvereine verpflichtet wissen.
Bald nach der Gründung des
Katholischen Fürsorgevereins erfolgten die ersten Gründungen von Ortsvereinen
in Bayern, die dann zum Teil durch den Zweiten Weltkrieg erheblichen Schaden
erlitten. Dr. Luise Jörissen, die schon vor dem Krieg in München tätig gewesen
war, ging nun von Dortmund nach Bayern, um den Wiederaufbau der Ortsvereine
sicherzustellen.
Die damals vorhandenen Ortsgruppen,
zu denen Aschaffenburg, Würzburg, Bamberg, München und Augsburg zählten,
konnten sich noch einigermaßen halten. Auch die zwölf Heime waren weitestgehend
der Zerstörung anheim gefallen. Die Wiederherstellung einer funktionierenden
Struktur des Katholischen Fürsorgevereins in Bayern musste schnell gehen, denn
die Not durch die allgemein schwierige Lage und den Flüchtlingsstrom war groß.
Mit großer Energie und Ausdauer schuf Dr. Luise Jörissen die für die Erneuerung
wichtigen Voraussetzungen. So stellte sie sicher, dass der Katholische
Fürsorgeverein wieder aufgebaut und durch Neugründungen wie z. B. in Amberg,
Ingolstadt, Garmisch-Partenkirchen, Freising, Starnberg und Schweinfurt
erweitert werden konnte. Neben der Neuordnung und dem Wiederaufbau der Struktur
galt es auch für die Funktionsfähigkeit der einzelnen Stellen zu sorgen. Dr.
Jörissen sah es als eine der wichtigsten Aufgaben der Landesstelle an, die
vielen Informationen und die unentbehrlichen Kenntnisse über die Veränderungen
im sozialen Bereich den Ortsgruppen zu vermitteln und für die praktische
Anwendung aufzubereiten. Sehr wichtig war damals schon die Zusammenarbeit mit
anderen Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege und weiteren Vereinigungen.
Im Laufe der Jahre ihres Wirkens
gewann Frau Dr. Jörissen Wegbegleiterinnen, zu denen auch Thea Schroff gehörte,
die später ihre Nachfolgerin wurde. Thea Schroff prägte die Arbeit des
damaligen Katholischen Fürsorgevereins, des heutigen Sozialdienstes
katholischer Frauen. So hatte die Landesstelle maßgeblichen Anteil an der
Schaffung von Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen sowie dem Aufbau
eines flächendeckenden Netzes von Frauenhäuser in Trägerschaft von SkF und
Caritas in Bayern. Darüber hinaus nahm die Landesstelle maßgeblichen Einfluss
auf die dementsprechende Gesetzgebung.
Neben Thea Schroff sind als
Mitarbeiterinnen der Landesstelle dieser Zeit Frau von Mecklenburg, Frau
Koschau, die später noch lange Jahre in der Ortsgruppe Nürnberg ehrenamtlich
tätig war, sowie Frau Dr. Albertshauser und Anna Gräfin Brühl zu nennen.
Seit 1994 hat die Landesstelle
durch eine Satzungsreform eine neue Struktur erhalten. Gehörten bis zu diesem
Zeitpunkt die Vorsitzenden einiger bayerischer Ortsvereine dem Vorstand der
Landesstelle an, so wurde die Landesstelle nun zum Zusammenschluss aller
bayerischen Ortsvereine und Vorstandsmitglieder von Ortsvereinen bilden den
ehrenamtlichen Landesvorstand.
Im Laufe der Jahrzehnte erweiterten
sich die Aufgabenfelder der Ortsvereine, die sich den gewachsenen Anforderungen
der Zeit stellten. Dies alles begleitete die Landesstelle in vielfältiger
Weise. So werden Schulungen und Fachtage für ehrenamtliche und berufliche
Mitarbeiterinnen durchgeführt und in der jährlich stattfindenden Landestagung
kommt die große Familie des SkF in Bayern zusammen. Als Fachverband nimmt die
Landesstelle stellvertretend auch für die Caritas ihre Funktion als
verbandspolitische Stimme gegenüber Staat und Kirche für die Bereiche
Betreuungen, Adoptionen/Pflegschaften, Schwangerenberatung und Frauenhäuser in
katholischer Trägerschaft wahr. In diesem Sinne hat sie sich stets den
gesellschaftspolitischen Veränderungen und entsprechenden Bedürfnissen gestellt
und viele Abstimmungsprozesse mitgestaltet. Dies dient nicht zuletzt der
nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der von den Ortsvereinen
begleiteten und betreuten Menschen.
München,
24. April 2006
Margarete
Richardi
Vorsitzende